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Dermatologie

Was bedeutet „Dermatologie“?

Die Dermatologie ist das Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Abklärung, Behandlung und Betreuung von Patienten mit nichtinfektiösen und infektiösen Erkankungen der Haut sowie mit gutartigen und bösartigen Hauttumoren befasst.

Wann können Sie Ihr Tier vorstellen?

Unser Haus bietet Hautsprechstunden zu flexiblen Zeiten an, an allen Wochentagen vormittags in der Zeit von 9-12 Uhr sowie Mittwochnachmittag von 15-18 Uhr. In jedem Fall ist es notwendig, über unsere Anmeldung einen Termin innerhalb der o.g. Zeiten zu vereinbaren, wenn Sie einen dermatologischen Patienten bei uns vorstellen möchten- sei es aufgrund einer Überweisung durch Ihren Haustierarzt/ Ihre Haustierärztin oder auch aus eigenem Antrieb.

Es ist sinnvoll, eine kurze Falldarstellung, also einen groben Abriss über die Problematik, unter der Ihr Tier leidet, gleich bei der Terminvergabe zu geben - umso genauer kann der zu erwartende Zeitaufwand bei der Erstvorstellung abgeschätzt werden.

Mit welchem Zeitaufwand müssen Sie rechnen?

In aller Regel sollten Sie für einen Besuch ca. 2 Stunden Zeit einplanen, da häufig zahlreiche Untersuchungen (z.B. Blutuntersuchungen, Hautgeschabsel o.ä.) gleich vor Ort ausgewertet werden und auch am selben Tag schon besprochen werden können. Gezielte Behandlungen oder frühzeitige klare Festlegung etwaiger weiterführender Diagnostik, gleich vom ersten Besuch an, sind somit möglich.

Trotzdem sind manchmal vor allem im Rahmen der Diagnostik auch mehrere Besuche erforderlich, bevor Ihr Haustierarzt auf der Grundlage der vorliegenden Befunde die Weiterbehandlung Ihres Tieres wieder übernimmt.

Viele Hautkrankheiten oder auch Grunderkrankungen mit sekundärer Beteiligung der Haut zeigen einen chronischen Verlauf, weshalb uns die enge Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt/ Ihrer Tierärztin sehr wichtig ist- im Laufe der Zeit aufkommende Fragen, unerwartete Entwicklungen etc. können so häufig auch ohne eine erneute Vorstellung bei uns in der Klinik telefonisch oder per E-mail (z.B. durch Zusenden von aktuellen Laborwerten oder auch Fotos von Auffälligkeiten der Haut) geklärt werden. 

Wie können Sie ihren Besuch in der Tierklinik vorbereiten?

Hautpatienten sind oft keine akuten Fälle, sondern die Tiere haben zumeist schon einen längeren Leidensweg hinter sich und eine Vielzahl von Untersuchungen und Behandlungen sind bereits mit unterschiedlichem Erfolg durchgeführt worden. Die Kenntnis dieser Entwicklung stellt in den meisten Fällen bereits einen entscheidend wichtigen Schritt auf dem Weg zur Heilung Ihres Tieres dar.

Für Sie als Besitzer ist es jedoch erfahrungsgemäß nicht einfach, über eine teils monate- oder gar jahrelange Vorgeschichte quasi aus dem Stegreif einen knappen Überblick zu geben. Hilfreich ist es in jedem Fall, bereits vorhandene Untersuchungsbefunde, auch wenn sie schon länger zurückliegen, zusammenzutragen, ggf. bei den vorbehandelnden Ärzten frühzeitig anzufordern.

Was an Befunden bereits vorliegt und aktuell ist, muss nicht noch einmal angefertigt werden. Aber auch länger zurückliegende Untersuchungsbefunde können uns bei der Anfertigung der Krankengeschichte wertvolle Hinweise liefern.

Sie können sich zudem den dermatologischen Anamesebogen herunterladen und ausfüllen- oder aber zu hause ganz in Ruhe die bisherige Entwicklung auf einen Zettel schreiben, die bisher verabreichten Medikamente zusammenpacken und den Bogen dann bestens vorbereitet hier im Wartezimmer ausfüllen.

Dermatologische Diagnostik in der Tierklinik Betzdorf

Die Reaktionsmuster der primär oder sekundär erkrankten Haut sind bei unterschiedlichsten Erkrankungen leider häufig sehr ähnlich- es bestehen Juckreiz, Hautrötungen, Pusteln und Papeln, Haarausfall oder Veränderungen im Fellbild, Schuppen, Krusten etc..

Zahlreiche Untersuchungsmethoden und Testverfahren in Kombination mit einem sehr detailliert aufgenommenen Vorbericht können bei uns im Rahmen eines für Ihr Tier individuell erstellten diagnostischen Stufenplans durchgeführt werden. Hier finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen:

Klebebandabklatsch:

Eine einfache und schmerzfreie, dabei oft aber schon sehr aufschlussreiche Methode: Ein durchsichtiger Klebebandstreifen wird mehrfach mit der klebenden Seite auf Fell und Haut des Patienten gedrückt und danach mitsamt den anhaftenden Strukturen auf einen Objektträger geklebt. Unter dem Mikroskop können so ganz einfach Flöhe/Flohkot, zahlreiche Parasiten wie Läuse, Haarlinge, Milben und deren Eier nachgewiesen werden.

Flohkamm:
Ebenfalls ein einfaches Mittel mit großer Aussagekraft: kleine Menge Flohkot oder einzelne versteckte Flöhe oder Läuse, nicht selten auch Cheyletiellen sowie deren Eier können mit diesem feinzinkigen Kamm durch gründliches Kämmen vom Nacken bis zur Rute/dem Schwanzansatz gewonnen werden.

Flohkot wird von einfacher Verschmutzung durch Aufbringen auf ein weißes Tuch und anschließender Befeuchtung mit Wasser differenziert: Flohkot stellt vom Floh anverdautes Blut dar und färbt die weiße Unterlage rotbraun oder sogar rot.
Die übrigen ausgekämmten parasitären Strukturen werden unter dem Lichtmikroskop sichtbar gemacht.

Mikroskopische Untersuchungen/Zytologie:

Zur genauen Betrachtung unter dem Mikroskop werden am Tier entnommene Präparate gefärbt, getrocknet und dann angeschaut. Vor allem bei allen entzündlichen Erkankungen der Haut und der Ohren, wo man Pusteln, Krusten oder kleine Fisteln vorfindet, kommt die Zytologie zum Einsatz. Die Probenentnahme geschieht auch hier völlig schmerzlos und vom Patienten unbemerkt: Ein Objektträger wird auf die zu untersuchenden Hautveränderungen aufgedrückt und damit oberflächlich vorhandene Sekrete, Krustenmaterial und Zellen sowie Erreger entnommen.

Weiterhin kommt diese Untersuchungstechnik bei Feinnadelbiopsien von Knötchen und unklaren Umfangsvermehrungen zum Einsatz- ebenfalls eine einfach im Wachzustand durchzuführende Methodik: mit einer feinen Nadel wird einmalig in das zu untersuchende Gewebe eingedrungen (ein ganz kleiner Einstich für´s Tier, der in der Regel nicht bemerkt wird) und dann ein wenig in der Veränderung auf und ab bewegt- das in der Nadel gesammelte Zellmaterial kann meist direkt vor Ort zytologisch bewertet werden. In Ausnahmefällen werden auch Zytologien in ein Fremdlabor versandt, wo Pathohistologen, also Experten für die feingewebliche Untersuchung ihren Befund erstellen und uns zeitnah zukommen lassen. Die Präparate werden in unserem hauseigenen Labor mit einer Schnellfärbung nach dem Romanowsky-Typ, dem DiffQuick, angefärbt.

Eine einfache Untersuchungsmethode, welche bei entzündlichen Hautveränderungen dazu dient, die Art der Entzündung und der beteiligten Erreger genauer festzulegen und damit so schnell wie möglich gezielt behandeln zu können. Bei nicht-entzündlichen Hautkrankheiten können so frühzeitig  z.B. Autoimmunerkrankungen wie der Pemphigus foliaceus anhand charakteristischer zytologischer Muster entlarvt werden. Auch der Verdacht auf das Vorliegen einer Tumorerkankung der Haut kann so frühzeitig untermauert werden, um einen raschen Therapiebeginn zu ermöglichen, was wiederum die Prognose in aller Regel erheblich verbessert.

Trichoskopie:

Hierzu werden einfach ein paar kleine Haarbüschel aus der zu beurteilenden Regionen ausgezupft, was für die Tiere kein Problem darstellt. Es kann sehr nützlich sein, Wurzeln, Schäfte und Spitzen der Haare nach vorheriger Einbettung in Paraffinöl mikroskopisch zu beurteilen.
Bei Haarausfall/fehlenden Nachwachsens z.B. geschorener Flächen kann anhand der Ausbildung der Haarwurzeln die jeweilige Wachstumsphase der Haare oder Mißbildungen der Wurzeln erkannt werden. Bei Hautpilzerkrankungen können Hyphen und Sporen in vielen Fällen schon ohne das Abwarten der kulturellen mykologischen Untersuchung dargestellt werden.

Pilzkultur:

Bei klinischem Verdacht auf das Vorliegen einer Dermatophytose, also einer Hautpilzerkrankung wird neben der o.g.Trichoskopie auch eine kulturelle Untersuchung durchgeführt, d.h. es werden Fellproben aus dem Randbereich des verdächtigen Areals nach vorherigem Kürzen der Haare und Reinigung mit einem Hautdesinfektionsmittel entnommen. Diese werden im in-house-Labor auf eine Schnellkultur verbracht, welche bei 25° bebrütet und von unseren Laborassistentinnen täglich beurteilt wird über einen Zeitraum von bis zu 10 Tagen. Sollte das Testergebnis nicht eindeutig sein, bzw. die genaue Bestimmung der Dermatophyton-Spezies von großem Interesse sein, so werden die entnommenen Proben im Fremdlabor auf verschiedenen speziellen Nährböden über bis zu 4 Wochen bebrütet.

Hautpilzerkrankungen sind Zoonosen, d.h. Sie als Besitzer können sich infizieren, was vor allem bei immungeschwächten Menschen (besonders auch Kleinkindern!) schwere und aufwendig zu therapierende dermatologische Krankheitsbilder zur Folge haben kann, daher ist der Ausschluss einer Pilzerkrankung nicht nur für unsere vierbeinigen Patienten wichtig!

Hautgeschabsel:

Man unterscheidet oberflächliche und tiefe Hautgeschabsel. Tiefe Hautgeschabsel werden ausschließlich bei Verdacht auf das Vorliegen einer Demodikose vorgenommen. Demodexmilben leben in den Haarfollikeln und Talgdrüsen und können nach vorherigem leichten Zusammendrücken der Haut und Benetzung mit Paraffinöl durch Abschabung der obersten Hautschichten bis zum Erreichen einer leichten kapillären Blutung mit einem sog. Scharfen Löffel oder einer Skalpellklinge freigelegt werden.

Es wird an mehreren gut zugänglichen und im Hautbild verdächtig veränderten Stellen geschabselt, in aller Regel an ca. 3-4 Stellen. Was sich brutal liest, ist in der Praxis für die Tiere offenbar sehr gut auszuhalten und wird gut toleriert. Das so gewonnene Probenmaterial wird in Paraffinöl gebettet und sofort mikroskopiert.

Oberflächliche Hautgeschabsel werden von einem größeren Hautareal (ca. 10x10cm) nach vorheriger Anfeuchtung bzw. Einfettung mit Paraffinöl genommen. Die Region muß zu diesem Zwecke geschoren werden, vorhandene Schuppen werden vorsichtig mit einer Skalpellklingel abgeschabt, danach in Öl gebettet und ebenfalls mikroskopiert. Die meisten Milbenarten (Sarcoptes, Notoedres und Cheyletiella) können so sichtbar gemacht werden.

Untersuchungen mit Unterstützung eines externen Labors:

Hautbiopsie

Unter gewissen Voraussetzungen ist es notwendig zur endgültigen Abklärung der Ursache eines Hautproblems Biopsieproben der Haut zu entnehmen. Dies geschieht nur sehr selten als erste Maßnahme im Rahmen der Diagnostik, sondern ist meist erst am Ende einer Stufendiagnostik notwendig. Autoimmunerkrankungen, Tumorverdacht, nicht-entzündlicher Haarausfall nach Ausschluß aller Hormonstörungen, Juckreiz nach Ausschluß aller parasitären, allergischen und infektiösen Erkrankungen, Verdacht auf angeborene Erkrankungen oder Keratinisierungsstörungen gehören beispielsweise in diese Sparte. Hautbiopsien werden in aller Regel in kurzer Allgemeinanästhesie, seltener auch unter lokaler Betäubung entnommen.

Ihr Tier muss zu diesem Termin nüchtern erscheinen und bekommt nach erneuter allgemeiner Untersuchung einen Venenzugang gelegt, über den die Kurznarkose injiziert wird. Im septischen OP werden durchschnittlich drei Hautbiopsien aus der zuvor vorsichtig geschorenen Haut herausgeschnitten oder gestanzt, üblicherweise kleine Areale mit 6mm Durchmesser. Ein Einzelheft verschließt die kleine Wunde und der Patient kann nach kurzer stationärer Aufwachphase wieder nach Hause entlassen werden.

Die Proben werden in ein veterinärpathologisches Institut versandt und nach 7-10 Tagen, in der Regel beim Ziehen der Fäden mit Ihnen besprochen und ausgewertet.

Serologischer Allergietest/Futtermittelallergietest

Die landläufig allg. als Allergie bezeichnete Atopische Dermatitis ist eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber körperfremden, eigentlich unschädlichen Substanzen, die als sog. Allergene erkannt werden. Betroffene Tiere reagieren auf diese Stoffe mit einer überschießenden Produktion von Antikörpern und der Aktivierung bestimmter Entzündungs- und Abwehrzellen, was im Zusammenspiel eine allergische Reaktion auslöst, welche sich letztlich vor allem durch Juckreiz und den daraus resultierenden Folgeerscheinungen am Tier äußert.

Sollte sich bei Ihrem Tier nach eingehender Vorberichtserhebung und Ausschluss aller für den Juckreiz in Frage kommenden Ursachen (z.B. Infektion der Haut, Parasiten...) der Verdacht auf das Vorliegen einer Atopischen Dermatitis erhärtet haben, so besteht die Möglichkeit, einen In-Vitro-Allergietest, also einen Allergietest mittels Blutuntersuchung durchzuführen. Übermäßige Antikörperproduktion (IgE, IgG) auf bestimmte Stoffe können hierbei mittels eines ELISA-Verfahrens, welches sehr spezifisch unter Einsatz hochaffiner rekombinanter Rezeptoren für diese Antikörper arbeitet, nachgewiesen werden. Sinn ist hier nicht die Diagnose der Allergie, die klinisch erfolgen muss, sondern die Schaffung einer Therapiemöglichkeit durch Herstellung eines immunspezifischen Serums, welches in einem festgelegten Therapieschema gespritzt werden muß, um die Symptome ohne Einsatz von Kortison oder andere immunsuppressiven Medikamenten in den Griff  bekommen zu können.

Diagnostik internistischer Grunderkrankungen mit Beteiligung der Haut

Die Haut ist zum einen immer ein Spiegel des Gesamtorganismus, das größte Organ, das die Tiere besitzen und das bei vielen Erkrankungen stark reagiert, ohne, dass es sich wirklich primär um ein echtes Hautproblem handelt. Hautreaktionen können bei zahlreichen inneren Erkrankungen auftreten, zum Teil als einziges Symptom einer versteckten Tumorerkrankung, bei Leberproblemen, vor allem auch bei hormonellen Erkrankungen.
Letztere können sich sowohl im Bereich der Sexualhormone abspielen (Hodentumore, Scheinschwangerschaft und Eierstockszysten können beispielsweise zu abnorm hohen Hormonspiegeln führen und somit auch für die Haut problematisch werden) als auch die Schilddrüsenfunktion oder auch das in den Nebennieren gebildete körpereigene Kortison betreffen. Auch die Abklärung solcher inneren oder endokrinologischen Erkrankungen wird selbstverständlich im Rahmen der Untersuchungen geleistet, zum Teil können wichtige Blutbefunde bereits in unserem hauseigenen Labor gleich am Tag der Erstvorstellung erstellt und ausgewertet werden.