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Im April schlüpfen bei uns die ersten Jungvögel. Sehr häufig erreichen uns Anrufe von besorgten Personen, die vermeintlich aus dem Nest gefallene oder verwaiste Jungvögel gefunden haben.
Aber: Selten sind die Vögelchen in Not! Im Gegenteil - in den allermeisten Fällen ist menschliches Eingreifen nicht erforderlich, sondern sogar schädlich!

 Nestling oder Ästling? 

Sollten Sie einen Jungvogel gefunden haben, verhalten Sie sich bitte wie folgt:

  • Berühren Sie den Vogel zunächst nicht. Beobachten Sie das Tier eine Weile.
  • Erkennen Sie, ob es sich um einen Nestling oder um einen Ästling handelt.

Einen Nestling erkennen Sie am lichten, flaumigen Gefieder, an den meist geschlossenen Augen sowie an der Hockstellung auf den Fersen. Nestlinge sind ohne elterliche Fürsorge hilflos.
Ein Ästling weist nahezu vollständig ausgebildete Federn auf. Die Augen sind stets geöffnet, und das Vögelchen ist im Stande zu hüpfen und zu flattern. Ein Ästling verbringt eine kurze Phase seines Lebens - meist mehrere Tage - in der unmittelbaren Nähe des Nestes, im Gebüsch oder auf dem Boden, ist jedoch noch nicht selbständig. Die Elterntiere füttern das Junge in regelmäßigen Abständen.

Ist menschliche Hilfe erforderlich?

Erkennen Sie, ob das Vögelchen Verletzungen aufweist. Sofern Sie Verletzungen erkennen
können (blutige Wunden), so ist tatsächlich Ihre Hilfe gefragt - aber auch nur dann!
Sofern es sich jedoch um einen unverletzten Nestling handelt, so sollte man zunächst versuchen, das elterliche Nest ausfindig zu machen. Denn es ist sinnvoll, den Nestling ins Nest zurückzusetzen. Falls dies nicht gelingt, können Sie uns gerne kontaktieren. Weitere Anlaufstellen sind der örtliche NABU oder Auffangstationen.
Sofern es sich um einen unverletzten Ästling handelt, so ist es nur in Ausnahmefällen sinnvoll, das Vögelchen an einen katzensicheren Ort wenige Meter entfernt von der Fundstelle zu verbringen. Ansonsten ist ein menschliches Eingreifen untersagt! Wir Menschen können diesen Jungvögeln keine bessere Pflege angedeihen lassen als die eigenen Elterntiere.
Nur ein Beispiel: Die meisten Menschen können nicht sagen, ob es sich bei dem vermeintlichen Findling um einen Weichfresser oder Körnerfresser handelt. Dies ist jedoch für die Auswahl der Aufzuchtnahrung unabdingbar! Wenn wir den Jungvogel mit einem für ihn unverdaulichen Futter füttern, hat dies zur Folge, dass er krank wird und verstirbt.

Übrigens: Die Aneignung von wild lebenden Tieren unterliegt dem Tatbestand der Wilderei (§ 292 StGB)! Dies ist nicht ohne Grund so. Ein Eingreifen des Menschen in die Abläufe der Natur ist aus Sicht der Wildtiere eben nicht erstrebenswert, auch wenn wir es nicht sofort nachvollziehen oder verstehen können.